Trauer – Die vier Phasen nach Verena Kast

Trauer – Die vier Phasen nach Verena Kast

Trauer – Die vier Phasen nach Verena Kast

Verena Kast ist Professorin für Psychologie an der Universität Zürich. Sie erlangte ihre Lehrberechtigung an der Universität mit ihrer Arbeit über die Bedeutung der Trauer im therapeutischen Prozess. Dabei entwickelte sie ein Modell von den vier Phasen der Trauer. 

Dieses Modell der Trauerphasen bildet eine wichtige Grundlage zum Verständnis des Trauerprozesses.



Trauer ist ein Prozess – Doch was ist eigentlich ein Prozess?

Ein Prozess kann dadurch definiert werden, dass er einen klar definierten Anfang und ein klares Ende hat. 

Der Beginn des Trauerprozesses

Der Trauerprozess beginnt in der Regel durch den Verlust eines geliebten Menschen. Nicht selten entscheidet der Beginn des Trauerprozesses darüber, wie der weitere Verlauf der Trauer sich gestaltet. Hierbei können zum Beispiel die Umstände des Todes eine entscheidende Rolle spielen.

Das Ende des Trauerprozesses

Der Trauerprozess ist dann beendet, wenn es dem Trauernden gelungen ist, sich neu zu orientieren. Dabei ist das ganze Lebensgefüge mit einzubeziehen. Hierbei kann unter anderem die Beziehung des Trauernden zum Verstorbenen eine Rolle spielen.

Wie lange dauert der Trauerprozess?

Wie lange die Verarbeitung der Trauer dauert, ist ganz unterschiedlich. Die oben schon genannten Faktoren wie die Umstände des Todes oder die Rolle oder die Beziehung zum Verstorbenen oder aber auch die Persönlichkeit des Trauernden können unterschiedliche Schwerpunkte bei den einzelnen Trauerphasen setzen. So kann die Dauer der vier Trauerphasen stark variieren.





Die erste Trauerphase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Oft macht es keinen Unterschied, ob der Tod eines Menschen sich abzeichnet oder er völlig unerwartet kommt. Der Tod schockiert. Je näher die Beziehung zum Verstorbenen war, desto heftiger. Oft ist die natürliche Reaktion des Menschen, dass man das Geschehene nicht erfassen, nicht glauben, nicht wahrhaben will.

Erste menschliche Reaktionen

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf den Verlust eines geliebten Menschen. Doch oft, sitzt der Schock über den Tod tief. Und so fallen auch die Reaktionen auf die Nachricht unterschiedlich aus. Sowohl im Verhalten als auch in der Ausprägung der Reaktion. Manche Menschen geraten fast außer sich, andere wiederum ziehen sich zurück, werden apathisch oder erstarren. Oft berichten Betroffene auch über physische Reaktionen wie Übelkeit oder Erbrechen. Man kann auch bei manchen Angehörigen eine gewisse motorische Unruhe, ein Schwitzen oder einen erhöhten Pulsschlag feststellen.

Wie lange dauert die erste Phase?

Hier können die Umstände des Todes eine entscheidende Rolle spielen, sodass die erste Phase von wenigen Stunden bis zu mehreren Wochen in unterschiedlicher Intensität andauern kann. Gerade dann, wenn Todesfälle plötzlich eintreten ist das Geschehene von den Betroffenen schwer zu erfassen und viele wollen es nicht glauben.

Wie kann ich einem Trauernden in dieser Phase helfen?

Hilfe im Trauerprozess anzubieten kann helfen, muss es aber nicht. Das hängt von der Persönlichkeit des Betroffenen ab. Der Trauernde muss auch bereit sein, die Hilfe anzunehmen. Man sollte Trauernde mit den Hilfsangeboten daher nicht überfordern. 

Wenn der Trauernde die Hilfe annimmt, ist die einfachste Hilfe, da zu sein, ohne viel zu fragen. Dabei sollte man die Gefühle der Trauernden, die sehr unterschiedlich sein können, zulassen. Wenn der Trauernde nicht allein sein möchte, dann seien Sie bei ihm.

Unangebracht wäre es in dieser Situation, den Trauernden in seiner Reaktion zu bevormunden.

Als Hilfe Bietender sollte ich es aushalten, dass der Trauernde manchmal empfindungslos erscheint, manchmal die Tränen fehlen oder er sich wie in einer Starre befindet. Ich kann mit Wärme und Mitgefühl reagieren. Wenn es notwendig und angebracht ist, kann ich meine eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen.

Im Alltag können sie Besorgungen übernehmen, dort einspringen, wo der Trauernde überfordert ist und Hilfestellung bei der Regelung des Sterbefalls geben.





Die zweite Trauerphase: Aufbrechen der Emotionen

Trauernde können mit unterschiedlichsten Gefühlen kämpfen. Von Freude bis Leid können alle Gefühle vertreten sein. Ob Wut oder Zorn, Leid, Schmerz oder Freude, ob Traurigkeit oder Angst. All diese Emotionen können in der zweiten Phase an die Oberfläche treten.

Gefühle gegen sich selbst oder den Verstorbenen

In einigen Fällen hadern die Betroffenen über das eigene Schicksal. Man stellt sich die Frage, warum es ausgerechnet einem selbst getroffen, oder womit man dies verdient hat. In anderen Fällen können sich die Gefühle gegen jeden im Umfeld richten. Es kann eine wütende, zornige oder aggressive Haltung beim Trauernden entstehen. Diese kann sich auch gegen den Verstorbenen oder sogar gegen den Trauernden selbst richten. Nicht selten Fragen sich die Hinterbliebenen warum sie verlassen wurden. Wie es nun für sie weitergehen soll oder ob sie etwas anders hätten unternehmen können, um das Unglück zu verhindern. Haben sie nicht gut genug aufgepasst?

Schuldgefühle, die quälen

Die oben genannten Emotionen können beim Trauernden Schuldgefühle hervorrufen. Es ist jedoch normal, diese Gefühle zu haben. Wenn man diese Gefühle unterdrückt, können sie der Verarbeitung der Trauer im Wege stehen. Eine depressive oder niedergeschlagene Stimmung kann die Folge einer unterdrückten Trauer sein. Jedoch kann es bei der Verarbeitung der Trauer helfen, diese Gefühle bewusst zu erleben und so den Schmerz besser zu verarbeiten.

Wie lange dauert die zweite Phase?

Auch hier kann es wieder sehr unterschiedlich sein, wie lange eine solche Phase dauert. Sie kann von mehreren Wochen, bis einigen Monaten gehen.

Was könnte in dieser Phase dem Trauernden helfen?

Gefühlsausbrüche zuzulassen, kann helfen. Lassen Sie dem Trauernden seine Trauer. Ein Trauender darf auch einmal schwermütig sein oder eine depressive Stimmung haben. Diese Gefühle gehören zum Trauern dazu. Oft neigen die Trauernden direkt, oder das Umfeld dazu, den Trauernden zu sehr von nicht verarbeiteten Gefühlen ablenken zu wollen. Dies kann den Trauerprozess verzögern. 

Möchte der Trauernde über Probleme sprechen, sollte man dies zu lassen. Oft kann es hilfreich sein, dem Trauernden die Schuldgefühle nicht auszureden. Man sollte diese dann schlicht zur Kenntnis nehmen, aber nicht bekräftigen. 

Sind Sie für den Trauernden da, hören Sie zu. Halten Sie sich mit eigenen Erzählungen eher zurück. Interpretieren oder werten Sie die Aussagen des Trauernden nach Möglichkeit nicht.





Die dritte Trauerphase: Suchen und Sich-Trennen

Es ist eine typische, menschliche Reaktion, dass man nach etwas sucht, wenn man es verloren hat. Genau so ist es in der Trauer auch. Wer in Trauer ist, sucht nach dem verlorenen Menschen. Dies kann in den Gesichtszügen anderer Menschen sein. Auch in den Gesichtern Unbekannter. Trauernde suchen auch oft die Orte auf, die der Verstorbene mochte. Nicht selten werden die Gewohnheiten des Verstorbenen übernommen, um ihm nahe zu sein.

Schöne und gleichsam schmerzhafte Gefühle

Das mit dem Verstorbenen gemeinsam erlebte, soll eingefangen, soll gesammelt und soll konserviert werden. Dies ist Teil der Trauer und erleichtert die Trauer. Sich mit dem auseinanderzusetzen, was man mit dem Verstorbenen gemeinsam erlebt hat, kann starke Gefühle auslösen. Gefühle, die schön und schmerzhaft zugleich sind.

Ja zum Leben oder weiter in Trauer verharren

Dies kann der Punkt sein, in dem der Trauernde sich entscheidet zurück ins Leben zu finden. Oder aber der Punkt in dem er sich entscheidet weiter in der Trauer zu leben. 

In dieser Phase können verstärkt Suizidgedanken aufkommen.

Wie lange dauert die dritte Phase?

Die dritte Phase ist jene, welche relativ kurz sein kann, oder sich aber hinzieht. Das heißt, dass sich Trauernde in dieser Phase von Wochen bis zu Jahren befinden können. 

Was könnte in dieser Phase dem Trauernden helfen?

Geduld ist wohl eine der wichtigsten Dinge, die wir einem Trauernden entgegenbringen können. Ihm oder ihr Zeit lassen, nicht drängen, den Verlust zu akzeptieren. Ihn über die Vergangenheit sprechen lassen, ohne dies zu zensieren, auch dann, wenn wir die Geschichten schon kennen. Wir sollten auf die Gefühlsreaktionen achten, die durch die Erinnerung oder Erzählungen aufpoppen. Bei suizidalen Äußerungen sollten wir den Trauernden kontinuierlich begleiten. 

Wenn es Ansätze zur Neuorientierung gibt, sollten wir diese unterstützen.





Schließlich die vierte Trauerphase: Neuer Selbst- und Wertebezug

Wenn der Trauernde durch die vorangegangenen drei Phasen durchgehen durfte, ist er offen, zu erkennen, dass das Leben weitergehen kann. Es ist Zeit wieder Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Neue Pläne zu schmieden.

Neue Verbindung schaffen

Die Trauer kann den Menschen und die Einstellung des Menschen zum Leben verändern. Nun gilt es zu erkennen, dass die Überwindung der Trauer nicht bedeutet, dass der Verstorbene aus der Erinnerung ausgelöscht werden soll. Der Trauernde muss eine andere, eine neue Art der Verbindung zum Verstorbenen aufbauen. Es gilt zu erkennen, dass es nicht mehr so sein wird, wie es einmal war. Die Verbindung zum Verstorbenen muss sich ändern. Er bleibt weiter Teil des Lebens und lebt weiter in der Erinnerung und in den Gedanken. Aber auch das Leben des Trauernden geht weiter. Die innere Ruhe und der persönliche Frieden kehren zurück.

Was könnte in dieser Phase dem Trauernden helfen?

Als Helfer des Trauernden bin ich jetzt gefragt. Ich muss akzeptieren, dass sich der Trauernde verändern kann. Gemeinsam sollte man eine Möglichkeit suchen, die Begleitung “auszuschleichen”. Ich muss den Boden dazu ebnen, dass der Trauernde mich als Begleiter loslassen kann. Ich muss akzeptieren, dass ich nicht mehr gebraucht werde. 

Auch die Abnabelung ist ein Prozess, der manchmal schwierig sein kann. Ich muss Neues akzeptieren, dazu beitragen, dass sich der Trauernde von mir löst, aber gleichzeitig sensibel genug sein, um eventuelle Rückfälle zu erkennen.




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